Erfahrungen mit WebSynthesis Hosting

WebSynthesis ist ein Angebot der Copyblogger Media LLC, einem bekannten Namen in der Blogging-Szene. Mit hohen Preisen und großen Versprechen wird für das Hosting geworben.

Die Webseite spricht von fast traumhaften Features, damit der eigene Blog schnell, sicher und stabil läuft. Zusätzliche – aber nur für den englischsprachigen Markt sinnvolle – Zusatzfunktionen sollen helfen, mehr Traffic auf die Seite zu bekommen.

Taugt es für Shopbetreiber (WooCommerce) und welche Konflikte bestehen ggf. mit anderen Plugins? Meine Erfahrungen im Beitrag.

Angebot

Bei WebSynthesis erhält man ab 47 $ monatlich einen

  • gemanagten und performanceoptimierten virtuellen privaten Server (VPS)
  • mit NGINX und PHP-FPM
  • inkl. Sicherheitsoptimierung und Uptime-Monitoring
  • und in den Tarifen ab 147 $ monatlich auch noch die Einrichtung der Cloudflare Railgun (separater Service mit eigenen Kosten)

In dem Tarif zu 97 $ monatlich können bis zu 10 Seiten verwaltet werden, wobei nur 2, bzw. 5 Seiten in dem Preis abgedeckt sind und jede weitere WordPress Installationen je 5 $ monatlichen Aufpreis kostet.

Im Tarif zu 97 $ kosten 10 WordPress Seiten also 137 $ monatlich (97 $ mit 2 inkludierten Installationen + 8x 5$ für jede weitere WordPress Installation) , in den anderen Tarifen respektive 172 $ (147 $ + 5x 5$) und 325 $ (300 $ + 5x 5$).

Im Preis enthalten sind

  • das Genesis Framework und Zugriff auf verschiedene Genesis Childthemes
  • Uptime Monitoring durch SiteSensor (für eine Seite)
  • W3TotalCache PRO für jede Seite (kostet normal 99 $ pro Seite und Jahr)
  • inkl. dem W3TC PRO Fragment Caching für Genesis Seiten für extra Geschwindigkeit und dem Modul für Yoast SEO Caching Extras

Die Vorteile sehen ganz nett aus und beinhalten Features, die nett, aber nicht zwingend notwendig sind.

Zusammen mit dem hohen Preis darf man hier Spitzenleistung erwarten. Leider wird sie nicht geboten.

Nicht dabei ist

  • ein CDN (weil angeblich unnötig)
  • Zugriff auf .htaccess (wird angeblich nicht verwendet)
  • Funktion und Verwaltung von DNS und E-Mail
  • die Möglichkeit, BuddyPress zu installieren
  • oder die Möglichkeit, eine Multisite zu betreiben

 

Damit kann man leben, wenn man seine Domains extern verwaltet und auch extern die E-Mail Verwaltung am laufen hat.

Trotz der recht überschaubaren Konfiguration, die auf Performance getrimmt sein soll gibt es bei WebSynthesis einige schwerwiegende:

Probleme

Hier einige der Probleme, die bei der Nutzung von WebSynthesis auftraten (Testzeitraum 2014-2015, Serverstandort: Amsterdam).

Praktisch regelmäßige Nichterreichbarkeit der Webseite und des Backends

Eigentlich kannst du hier schon aufhören zu lesen. Eine Webseite muss erreichbar sein. Besonders bei diesen Preisen und wenn der Anbieter sich für performantes, auf WordPress spezialisiertes Hosting rühmt. Regelmäßig musste „PHP neu gestartet werden“ (Aussage des Support).

Ich hatte bei WebSynthesis häufiger Ausfälle der Webseite als bei HostGator!

Die Ausfälle waren laut Support durch den hohen Verbrauch / die hohe Ausnutzung des PHP Speicherlimit bedingt.

Was uns zum nächsten Punkt führt:

Nur 40 MB PHP Memory Limit

WebSynthesis gesteht den dort verwalteten WordPress Seiten je 40 MB Memory Limit zu.

Dieser Wert ist nicht veränderbar, da jede Änderung an der wp-config.php oder anderen Kerndateien sofort wieder auf den Richtwert zurückgesetzt wird.

Laut WebSynthesis hat eine gesunde WordPress Installation einen Speicherverbrauch von circa 15-20 MB.

WordPress alleine verbraucht das allerdings schon mit dem Standardtheme. Wer noch eine Antispam Lösung nutzt (z. B. Antispam Bee), ein Plugin für Shortcodes oder ein Newsletteranmeldeformular, kommt über das Limit von 40 MB, was dem Hosting gar nicht gefällt.

Nicht zu vergessen der Speicherverbrauch durch W3TC, was von Haus aus installiert ist.

Wooshop.de hat, während ich das hier schreibe, einen Verbrauch von 47,66 MB, was bei ordentlichem Hosting nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Eine andere Webseite von mir hat WordPress, Genesis und 6 Plugins und verbraucht allein damit 27,6 MB.

Ich hatte über die Jahre schon verschiedene Hostinganbieter, u. a. aus Polen in Tarifen zu 12 Euro pro Jahr und hatte eine bessere Performance als bei WebSynthesis.

Viele durchschnittliche WordPress Seiten werden einen geschätzten Verbrauch zwischen 60 – 100 MB haben, was mehr als normal ist.

Aber schauen wir uns den nächsten Kritikpunkt an:

Antwortzeiten von mehreren Stunden und kein Telefonsupport

Anfragen können nur über das interne Ticketsystem gestellt werden und mit Priorität versehen (Wichtig – Webseite down).

Antwortzeiten von mehreren Stunden sind dabei einzurechnen. Der Support wird, laut eigener Aussage, von WordPress Spezialisten betrieben.

Das bezweifle ich aber stark. Sehr stark.

Fragwürdige und schlicht falsche Supportantworten

Dazu ein Auszug aus einer Support E-Mail (vom 28.01.2015), mit 7 aktiven Webseiten auf meinem WebSynthesis VPS, davon eine blanke Installation (nur WordPress mit Theme mit Verbrauch von 50,2 MB).

Zustimmen muss ich dem Support, dass man nicht benötigte Plugins auch entfernen sollte, da sie Leistung ziehen und Sicherheitsrisiken darstellen können.

529,49 MB is the value of opening all your sites at the same time for only one visitor, this is a big problem if you are having a big amount of visitors for your sites with a big footprint. A healthy WordPress install normally runs between 15-20MB.

Also, remember that your vps only has 2GB of Memory. You are going to have to reduce the memory footprint to stabilize the site. Removing all non-essential plugins should go a long way to reducing the memory footprint.

That number will be less when you factor in the memory being consumed by the other installs on the server. We strongly recommend you and your team take immediate action to reduce the memory footprint on this install as quickly as possible. This will really help stabilize this site and the server.

In einem zweiten Fall wurde mir mitgeteilt, dass einige Plugins nicht cachebar sind und PHP direkt nutzen, was eine hohe Belastung für den Server darstellen würde:

The following plugins are causing an huge load on the server and should be removed:

– optimize-db;
– optin-monster;
– tinymce-advanced.

Those are bypassing cache all together and hitting PHP directly, which is a very bad idea. I would recommend to remove those or optimize them to be handled in a different way.

Alle von WebSynthesis bemängelten Plugins sind von sehr respektierten Autoren in der WordPress Branche.

David Decker, der sich in der WordPress Szene ebenfalls einen guten Ruf erarbeitet hat, schreibt zu den Plugins von Thomas Griffin (OptinMonster, Envira Gallery, Soliloquy):

Envira ist unglaublich einfach zu bedienen, es ist rasend schnell, supersicher und absolut grundsolide gecodet. Dazu ist das Plugin hochfunktionell und völlig modular, das heißt, auch perfekt erweiterbar.

Warum so viele Lobeshymnen? Weil ich die Arbeit von Thomas Griffin seit einigen Jahren verfolge, kritisch begleite und vor allem seine Kreationen auch einsetze und daher kenne. Envira Galerie ist gerade dabei, auf allen von mir betreuten Installationen zur Standard-Bildergalerielösung zu werden. Ich bin wirklich schwer begeistert!

Die Schnelligkeit von Envira – und dessem “Bruder-Plugin” Soliloquy (für Slider) – kommt davon, dass der Entwickler ein Performance-Freak ist. Alles ist vom Code her voll auf Geschwindigkeit optimiert (neben Sicherheit natürlich!). Bilder werden asynchron geladen, PHP-Code über Autoloader nur dann, wenn er mal gebraucht wird. Minimierung von Skripten versteht sich von selbst.

Um die Supportantwort von Synthesis zu würdigen hier noch ein paar Ergänzungen.

Plugins, die den Cache umgehen, haben normalerweise ihre Berechtigung, wie z. B. eCommerce-Plugins wie eben WooCommerce.

Hier sollen Seiten wie der Checkout natürlich nicht im Cache landen, da sonst die Bestellung für Kunden schwer bis unmöglich wird.

OptinMonster ist aber von Haus aus so programmiert, dass es cachebar/cachingfähig ist.

PHP wird nur dann berührt, wenn ein neuer Interessent Daten in das Formularfeld einträgt und übermittelt. Und auch hier wird mittels einer AJAX-Funktion die Eingabe übermittelt und dabei nur WordPress Standardmethoden verwendet.

OptinMonster läuft auf Seiten mit über 10 Millionen unique Usern pro Monat problemlos.

Der Performancefehler liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht an OptinMonster. (Testbericht hier verfügbar)

Die anderen bemängelten Plugins Optimize DB und TinyMCE Advanced laufen im Backend und sollten damit das Frontend für Nutzer und das Caching in keinster Weise beeinträchtigen.

WebSynthesis hat auch regelmäßig Probleme mit EDD – Easy Digital Downloads, einem weiteren weithin als „Standard“ angesehenen Plugin für den Verkauf von digitalen Produkten.

Aber noch ein Wort zum W3TC PRO Caching mit Fragment Caching:

Die Einrichtung war relativ einfach, hat aber bei den verwendeten Seiten keinen merkbaren Performanceboost gebracht. Weder die PRO-Funktionen noch das Fragment Caching.

Die üblichen Tools für die Geschwindigkeitsoptimierung konnten ebenfalls keine nennenswerte Verbesserung feststellen (was nicht heißen soll, dass es die nicht gibt und evtl. nur meine Webseiten zu klein waren, um das zu reflektieren).

Schön ist allerdings, dass W3TC PRO für jede bei WebSynthesis verwaltete Seite bereitgestellt wird, was ansonsten auch jeweils eine jährliche Gebühr verursacht.

Den Wert der PRO-Funktionen konnte ich nicht erkennen, weshalb sich Cachify, Cache Enabler oder WP-Rocket oder Comet Cache (beide kostenpflichtig) als Alternativen anbieten.

Wichtig ist hier noch der Hinweis, dass bei WooCommerce Seiten W3TC häufig Probleme verursacht und somit zu Comet Cache oder WP-Rocket gegriffen werden sollte.

In WooCommerce Shops habe ich W3TC noch nie fehlerfrei zum Laufen bekommen (kann aber auch an meinen Fähigkeiten liegen).

Fazit

Große Werbeversprechen, hoher Preis und mehr als mangelhafte Leistung.

WebSynthesis ist nicht zu empfehlen.

WordPress-Nutzern (und speziell Shopbetreibern auf WooCommerce Basis) ist von einem Hosting dort abzuraten.

Für viele Webprojekte im WordPress Bereich ist als grundsolider Anbieter All-Inkl zu empfehlen.

Dieser glänzt mit ausgezeichnetem Support, günstigen Preisen, einem verdammt guten Ruf und dass Webseiten dort problemlos laufen.

Wer eine optimierte WordPress Installation will, braucht WebSynthesis nicht. Es gibt dafür andere gute Anbieter.

Wer aber startet, fährt mit All-Inkl, Comet Cache und wpSEO sehr, sehr gut.

WebSynthesis – nein, danke.

Schreibe einen Kommentar